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Reisebericht Eigentlich
hatten wir in zweierlei Hinsicht Bedenken: zum
Einen war unser Anreisetag, der 11. September, ein
Jahr nach dem schrecklichen Anschlag auf das WTC
nicht unbedingt der ideale Zeitpunkt, eine Reise
über arabisches Hoheitsgebiet anzutreten. Zum
Anderen hatte man uns bereits im Reisebüro vor
dem anstehenden Monsunwechsel und den damit
einhergehenden Unbilden des Wetters in dieser
Jahreszeit gewarnt. Nichtsdestotrotz gebot uns
unser Terminkalender, die Gelegenheit
wahrzunehmen. Hatten wir
zunächst erwartet, im Flughafen Frankfurt mit
Maschinengewehren im Anschlag und aufwendiger
Leibesvisitation kontrolliert zu werden, so stellte
sich diese Sorge schnell als grundlos heraus.
Nagelschere und ähnliche "scharfen Waffen"
bereits in weiser Voraussicht im aufgegebenen
Gepäck verstaut, konnten wir ohne große
Probleme passieren. Nur bei genauem Hinsehen war zu
erkennen, daß die Sicherheitsbeamten
kugelsichere Westen trugen und mehr Personal mit
Waffen im Anschlag als an "normalen" Tagen
präsent war. Kurioserweise sollten sich die
Kontrollen auf Male als wesentlich schärfer
erweisen als die in Frankfurt - ob dies aus
Leichtsinn oder Kostenersparnis der Fall war werden
wir wohl nie erfahren. Nach
ruhigen nächtlichen 9 1/2 Stunden
Flug mit einer Boeing 767-300 der Condor
landeten wir sicher auf der
beängstigend schmalen und für
unseren Geschmack doch recht nah am Wasser
gebauten Piste auf Hulhule. Die TUI
Betreuung am Flughafen war sehr
hilfsbereit und sofort zur Stelle, ein
Kontrast zur betont unauffälligen
Kollegin in Kuramathi. Auf die umfassende
Durchleuchtung unseres Gepäcks und
unserer Personalien folgte der
Bootstransfer nach Kuramathi, der mit etwa
2 Stunden Fahrzeit zu Buche schlug. Sehr
zu empfehlen ist hier die frühzeitige
Anwendung von reichlich Sonnencreme, denn
bereits nach den 2 Stunden
Äquatorsonne auf dem Boot prangte das
unübersehbar leuchtend rote
Wahrzeichen der Neuankömmlinge in der
Mitte unserer Gesichter. Untergebracht
waren wir etwa in der Mitte der Anlage
"Coconut Village". Es gibt insgesamt 3
administrativ getrennte
Apartement-Anlagen. Die "Village" (auch
"Kuramathi Village" und "Coconut Village"
genannt) umfaßt die Bungalows 1-151,
Die "Cottage" (auch als "Blue Lagoon
Cottage" und "Cottage Club" in den
Unterlagen zu finden) die Nummern 201-280
und schließlich die "Blue Lagoon"
die Nummern 301-356. Bis etwa zur Nummer
16 (wenn die Erinnerung nicht trügt)
sind die Bungalows Reihenbungalows aus
Beton, offenbar noch aus der Zeit vor dem
Umbau. Ab Nummer 17 sind es schöne
Holzbungalows, die locker verstreut in der
Anlage stehen. Bis etwa zur Nummer 55 sind
die Bungalows uneingeschränkt zu
empfehlen, ab dort mag allerdings das
nachts besonders nervige konstante Brummen
des Generators der Power Station
empfindliche Gemüter stören,
welcher wenige 100m entfernt für den
Strom der Anlage sorgt. Ungeklärt
blieb dagegen die Quelle des unangenehmen
Geruches auf der Lagunenseite in der
Nähe der Grenzen zwischen Village und
Cottage Club, der ein entspanntes Sitzen
vor der Haustüre je nach Windrichtung
nur mit Klammer im Riechorgan
erträglich machte. Die
Holz-Bungalows sind sehr schön
eingerichtet, durch das fehlende Fenster
nach Hinten allerdings dunkel und etwas
schwierig zu lüften. Das Öffnen
der Badezimmertüre und der Türe
zur Freiluft-Dusche zum Erzeugen von
Durchzug ist nur eingeschränkt
empfehlenswert, da die nachtaktiven
schwarzen Ameisen dann sofort im Bungalow
umherschwärmen. Sie sind allerdings
vollkommen harmlos, wie auch ihre roten
Artgenossen, die bei Licht sofort direkt
an der Wand einzuschlafen scheinen. Kleine
und große Tierchen gibt es
überall, jedoch nichts wirklich
Unangenehmes. Gelegentlich hört man
tags wie nachts das schmatzende Schelten
der Geckos, die auf Bäumen und auch
in den Kegeln der Lampen auf Insektenjagd
gehen. Obwohl es Hundertfüßler
und Skorpione geben soll, haben wir weder
das eine noch das andere zu Gesicht
bekommen. Trotzdem gilt: die Kleider vor
dem Anziehen gut ausschütteln,
selbiges auch bei den Schuhen. Die nachts
gelegentlich über den Weg huschenden
Schlangen, derer wir nur ein einziges Mal
ansichtig wurden, seien harmlos, wurde uns
glaubhaft versichert. Trotz der
für europäische Verhältnisse klein
anmutenden Dimensionen der Insel hat man
erstaunlich viel Freiraum - obgleich alle
Unterbringungsmöglichkeiten belegt waren war
es auf der Insel nie voll. Dies liegt zum Einen an
der für Neuankömmlinge fast schon
verwirrenden Architektur der wunderschönen
Gartenlandschaft, deren Wege sich labyrinthartig um
dichten Bewuchs schlängeln, zum anderen
natürlich auch daran, daß man sich meist
im Wasser aufhält und dort noch wesentlich
mehr Platz ist. Hierbei hat
man zweierlei Möglichkeiten zur Auswahl:
entweder das seichte Wasser der Lagune, die sich
nordwärts über eine stattliche Anzahl
Quadratkilometer erstreckt. Der sanft abfallende
Grund besteht bis etwa 50m vom Ufer aus reinem
Korallensand mit vereinzelten Korallenstöcken,
bevor er bis auf ca. 50m Tiefe zum Rand des
Innenriffes abfällt. Zu unserer Reisezeit war
das Wasser vor allem an der Oberfläche und in
der Lagune sehr reich an Plankton, das aus vielen
teilweise durchscheinenden Kleinstlebewesen und
deren Brut besteht. Wenngleich dies die vertikale
Sicht auf etwas 5-10m und die horizontale Sicht an
der Oberfläche auf etwa 3-5m reduzierte, so
entschädigte die Sichtung von Manta-Rochen und
anderer Planktonfressern mehr als reichlich
für diesen Umstand. Leider
verhinderte der helle Vollmond die direkte
Beobachtung des durch Lebewesen im Plankton
erzeugten Meeresleuchtens - wir hatten dann
allerdings später Gelegenheit, dieses bei
einem Vortrag über Plankton zumindest beim
Herumrühren im Plastikeimer zu Gesicht zu
bekommen. In
der Lagune gibt es entgegen meines
anfänglichen Vorurteils übrigens
sehr schöne Stellen zum Schnorcheln,
und man kann dort wirklich so gut wie alle
Tiere aus dem Bestimmungsbuch finden. Es
gelang uns sogar eine bei Tag
ungewöhnliche Sichtung eines
Rotfeuerfisches in etwa 3m Tiefe. Eine von
Terry im Surfcenter organisierte
Schnorchel-Safari für 32 US-$ p.P.
ist hier wärmstens zu empfehlen. Im
Gegensatz zu der 6 US-$ teureren
"offiziellen" Schnorchel-Safari, die von
der Meeresbiologin Alex organisiert wird
und die ebenfalls sehr empfehlenswert ist,
kann man hier in sehr kleinem Kreis (wir
waren zu dritt) in Ruhe und mit selbst
vorgegebenen Tempo an verschiedenen Orten
schnorcheln. Die
andere Möglichkeit gibt es am
Außenriff der Insel. Dieses ist vor
allem über den Einstieg beim Siam
Garden (das Thai Restaurant in der Mitte
der Insel) sehr gut zu erreichen. Man
sollte sich aber unbedingt an die
Einstiegstafeln halten, die linksseitig
der Insel an den Zugängen zum Meer
aufgestellt sind. Tut man dies nicht, hat
man vor allem bei Ebbe große
Probleme, über den Riffkamm zu
schwimmen ohne die Korallen zu zertreten
oder sich zu ernstlich verletzten. Die
Gezeiten-Daten sind übrigens an der
Bio-Station im Palm Court per Aushang
einsehbar. Am
Riff sind in regelmäßigen
Abständen Fahnen aufgestellt, die vom
Ufer aus gut zu sehen sind. Sie markieren
die Passagen, über welche man mit
ausreichender Wassertiefe den Riffkamm
passieren kann. Generell sind hier ein
paar Neopren-Tauschuhe sehr zu empfehlen.
Flossen sind oft nur hinderlich, wirbeln
beim Schnocheln zuviel Sediment auf und
man kann leicht die empfindlichen Korallen
verletzen. Ein Bleigürtel ist zum
Freitauchen sehr praktisch, allerdings
haben wir nicht nachgefragt ob dieser vor
Ort auch ausgeliehen werden kann. Die
Strömung am Außenriff variiert
von Tag zu Tag, man sollte es
zunächst testen, um zu sehen in
welcher Richtung man sich treiben lassen
kann. Sie ist allerdings nie so stark,
daß man nicht auch gegen die
Strömung schwimmen könnte.
Driftet man nun langsam über den
Riffrand, spürt man sofort die Tiefe
mit ihrer kühlen Strömung und es
wird einem zum ersten Mal bewußt,
wie warm das Wasser auf der anderen Seite
und im Flachwasserbereich ist.
Überwältigend ist auch das
Gefühl, man würde in die Tiefe
die sich so plötzlich unter einem
auftut hinabgezogen. Dennoch ist man
sicher, schwebt wie ein Vogel über
den Grand Canyon und wird alsbald von
neugierigen Fischen in Augenschein
genommen. Ein
echtes Muß für jeden
Kuramathi-Besucher ist ein Ausflug zu der
Insel Fesdhoo und ihrer sehenswerten
Umgebung, die man als Tagestour "Island
Hopping" an der Rezeption buchen kann.
Durch eine besonders kühle
Meeresströmung in diesem Teil des
Ari-Atolls ist Fesdhoo und die Umgebung
vom Korallensterben verschont geblieben
und es eröffnet sich ein wahrhaft
atemberaubender Einblick in die
Unterwasserwelt. Allerdings kann es
durchaus sein, daß man
anschließend keine Freude mehr am
Hausriff hat, es ist also ratsam, diesen
Trip erst gegen Ende des Urlaubes
einzuplanen. Das Personal
wie auch das Haruge-Restaurant sind auf Kuramathi
exzellent, sowohl von den Speisen als auch vom
Service. Im Haruge gibt es für die Bewohner
der Coconut Village Frühstück (7:30-10:00
Uhr), Mittagessen (12:30-14:00) und Abendmahl
(19:30-21:30). Von Tag zu Tag wechseln die
Alternativen beim Essen zwischen minimalem Buffet
und Menu und großem, manchmal auch
thematischem Buffet beim Mittagessen oder beim doch
relativ späten Abendessen. Die auffällige
Anzahl italienischer Gäste zeichnet sich
sicher auch für die teilweise stark
Pasta-und-Pizza-lastige Küche verantwortlich.
Dennoch gab es auch Abende mit maledivischem Buffet
und einen indischen Tandori Abend, beides von
exzellentem Standard. Fisch gab es zu jeder
Mahlzeit, sogar zum Frühstück,
unnötig zu erwähnen daß die
Fischküche frisch und von bester Qualität
ist. Der Service im Restaurant ist ebenfalls sehr
gut, das englisch- und oft auch
italienischsprachige Personal ist geschult und sehr
aufmerksam, zeigt sich sehr besorgt um das
Wohlbefinden und ehrlich interessiert an den
Erlebnissen des Tages. Auch über grobe
Schnitzer wird gelassen hinweggesehen, wie
beispielsweise die ernstgemeinte Frage unserer
englischen Nachbarn, ob sie denn bei sich zuhause
an Weihnachten auch Christbäume hätten.
Wir sind dort außerdem mit einem Trinkgeld
von etwa 10 US-$/Woche ausgezeichnet
zurechtgekommen. Vermeidet
man im Allgemeinen besser den Konsum von Eis und
Salaten in Ländern unklarer hygienischer
Küchenzustände, so kann man hier
Entwarnung geben: unsere verhätschelten
europäischen Mägen vertrugen alles ohne
Protest, wenngleich manche maledivische Nachspeise
eher an Golfzubehör (ausgebackene, neutral
süß-pappig schmeckende Teigbällchen
wie etwa das indische "Burfi") oder aber an
farblich interessante Kombinationen aus
Marshmallows und Tapetenkleister
erinnert. Für den
Roomservice muß man an dieser Stelle
unbedingt eine Lanze brechen: unauffällig und
zuverlässig waren unsere Betten gemacht, das
mitgebrachte Moskitonetz professionell gespannt und
saubere Hand- und Strandtücher bereitgelegt.
Sogar der Geburtstag wurde nicht vergessen: das
Bett mit Blüten geschmückt und mit
Kokosreisig "Happy Birthday" drapiert - so einen
guten Service habe ich hierzulande bislang auch in
wesentlich teureren Hotels noch nicht
erlebt. Das
Wetter verhielt sich im wesentlichen
freundlich, nur die letzten 2 1/2 Tage
goß es wie aus Eimern. Laut der
Wetterberichte im Internet hielt das
schlechte Wetter auch nach unserer Abreise
weiter an. Erklärt wurde uns dies
durch den Monsunwechsel und durch die
Tatsache, daß es vor unserer Anreise
3 Wochen nicht geregnet hatte. Wie dem
auch sei, konstatieren kann man daß
das Wetter in dieser Zeit doch eher
wechselhaft ist. Die Coconut Village
Bungalows sind übrigens mit
überdimensionalen Regenschirmen
bestückt. Wehe dem, der es den
anderen ahnungslosen Touristen gleichtut
und seinen Schirm am Eingang des
Haruge-Restaurants zum Essen abstellt. Der
Glaube an das Gute im Menschen wird
belohnt durch eine schutzlose Dusche, die
man angesichts des entwendeten Klappdaches
unfreiwillig genießen
wird. Gebeten wird
man auch um eine Meldung bei der Sichtung von
Delphinen, die zu unserer Zeit fast alle 2 Tage um
Kuramathi herum zu beobachten waren. Die aus Wien
stammende sehr hilfsbereite Meeresbiologin Alex,
die beim Palm Court ihre Station unterhält und
dort auch viele interessante Vorträge zum
Besten gibt ist nie um eine kompetente Antwort
verlegen, sollte man mal Merkwürdiges oder
Ungewöhnliches sehen oder finden. Da sie immer
für ein halbes Jahr auf der Insel verweilt ist
sie übrigens sehr dankbar für ein kleines
kulinarisches Mitbringsel aus der fernen Heimat -
sei es ein gutes Stück Käse, ein solides
Schwarzbrot oder auch nur eine Tafel
Schokolade
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